Bedrohter Bergwald

Die Forschungsstation "Estación Científica San Francisco"


An kaum einem anderen Ort der Erde leben so viele Tier- und Pflanzenarten wie in den tropischen Bergregenwäldern Ecuadors. Beispielsweise wurden auf einem einzigen Berg 2100 verschiedene Nachtfalter entdeckt, das sind mehr als in ganz Europa zu finden sind. Aber gleichzeitig ist die biologische Vielfalt kaum sonst wo so bedroht wie dort, im Süden Ecuadors. 90% des Regenwaldes sind bereits verloren. Die Bauern dort brandroden den Wald, um Weideflächen für ihr Vieh zu gewinnen, doch schon nach wenigen Jahr gewinnt Unkraut die Oberhand, es wächst kein neues Weidegrün mehr nach, und das nächste Waldstück fällt den Flammen zum Opfer.

Die Lösung des Problems kann nicht darin liegen, die Menschen aus dem Regenwald zu verbannen und die Nutzung der Wälder zu verbieten, denn immer mehr Menschen brauchen den Wald, um zu überleben. Es müssen vielmehr Methoden entwickelt werden, wie die Menschen ihren Wald nachhaltig bewirtschaften können. Das heißt, dass die Bäume und der Boden so genutzt werden, dass einerseits die einzigartige biologische Vielfalt erhalten bleibt und andererseits die Menschen Nahrung und Arbeit haben und ohne Armut leben können.

Im steilen Kerbtal des Rio San Francisco zwischen den Provinzhauptstädten Loja und Zamora liegt die Forschungsstation "Estación Científica San Francisco" (ECSF). Im Süden des Tales erstreckt sich Naturwald, der an die unberührte Natur eines riesigen Nationalparks grenzt, der Norden des Tales wird intensiv von Land- und Forstwirtschaft genutzt. Dieses Aufeinanderprallen von Natur und Mensch bietet optimale Forschungsbedingungen, um einerseits verstehen zu lernen, wie das Ökosystem des Bergregenwaldes funktioniert und andererseits zu erforschen, wie sich das Eingreifen des Menschen auf dieses Ökosystem auswirkt.

Besonders bemerkenswert ist, dass hier in einem einzigen Projekt, auf gleicher Fläche, nicht nur Biologen und Ökologen arbeiten. Auch Geographen, Geologen, Forstwissenschaftler Genetiker, Klimaforscher und sogar Ethnologen, also Völkerkundler, leisten hier Pionierarbeit, um neue Wege zu finden, wie die Menschen die Natur nutzen können, ohne sie zu zerstören.

Bei der Erforschung und Erfassung des Forschungsgebietes entstehen riesige Datenmengen, die allen Wissenschaftlern zur Verfügung stehen sollen. Dafür wurde in Marburg ein netzbasiertes Informations- und Datenbanksystem entwickelt, das die unterschiedlichen Daten für alle nutzbar machen kann.

Kamera:
Herr Dr. Matt, Herr Fries, Herr J. Zeilinger (Ecuador)
Herr Dr. Rollenbeck (Deutschland)
 
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Forschungsgebiete Universitäten Standorte Zeitraum der Berichterstattung