Porträt
Prof. Dr. Jörg Bendix
Der Mensch.... Jörg Bendix ist Klimageograph und Fernerkundler, Jahrgang 1961 und seit 2000 Professor für Geoökologie (Schwerpunkte Klimatologie, Fernerkundung und Umweltmodellierung) am Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg. Nach seiner Diplomarbeit über das Hochwassergeschehen des Rheins (1988) orientierte er sich in seiner Promotion hin zur Klimatologie und Fernerkundung mit einem Thema zur Nebelklimatologie der Poebene. 1998 folgte die Habilitation an der Universität Bonn im Lehrgebiet "Geographie" und 1 Jahr später wechselte er auf eine Professur für "Angewandte physische Geographie" an die Ludwigs-Maximilians-Universität München. Seit 2000 ist er am Fachbereich der Geographie der Philipps-Universität Marburg tätig.
Sein Interesse für die Ökosystemforschung in den Anden Südamerikas wurde schon während seines Studiums geweckt. Als studentischer Mitarbeiter am Lehrstuhl von Wilhelm Lauer, der in der Tradition von Carl Troll mehrere geoökologische Forschungsprojekte in den tropischen und randtropischen Anden bearbeitete, kam er 1988 erstmals nach Ecuador. Hier bot sich die Gelegenheit, an einer Vegetationskartierungen im Páramo von Papallacta mitzuarbeiten. Weitere Forschungsprojekte beschäftigten sich u.a. mit dem Verhältnis von Bodentemperatur und Vegetationszonierung in den Anden Boliviens. 1995 folgte ein weiteres Projekt zur Niederschlagsdynamik und –genese während El Niño Ereignissen in Ecuador und Nordperu, das die Beziehungen zu Ecuador auch aus klimatologischer Sicht weiter festigte.
Neben der tropischen Klima- und Hochgebirgsforschung standen nach dieser Zeit zunehmend methodische Fragestellungen im Focus der wissenschaftlichen Arbeiten, die u.a. zusammen mit Kollegen aus verschiedenen europäischer Staaten (COST722) auf Gebiete in Deutschland und Europa angewendet wurden. Die Entwicklung von operationellen Methoden zur Ableitung von Nebel- und Niederschlagsparametern aus Wettersatellitenbildern gehörte ebenso dazu wie der Einsatz neuartiger meteorologischer Meßsysteme und numerischer Simulationsmodelle. So betreibt die Arbeitsgruppe im Rahmen der Marburg Satellite Station die einzige universitäre MODIS-Empfangsanlage in Deutschland und im Rahmen der Ground Truth Station Linden den ersten vertikale Wolkenradar-Profiler (www.lcrs.de). Das Verfassen von zwei Lehrbüchern zur Klimatologie (mit W. Lauer) und Geländeklimatologie fiel in diese Zeit der intensiven Auseinandersetzung mit den Atmosphärenwissenschaften.
"Als sich im Jahr 2000 mit der neu gegründeten FOR402 die Möglichkeit eröffnete, wieder in den Anden Ecuadors tätig zu werden, war dies wie eine glückliche Heimkehr an einen vertrauten Ort nach längerer Abwesenheit"
Hier bot sich in 6 Jahren intensiver und anregender Forschungsarbeit die Möglichkeit, das aufgebaute meteorologisch-methodische Wissen im Kontext einer interdisziplinären Ökosystemforschung einzubringen.
Ideen....
"Wetter, Pflanzen und die Möglichkeit des Menschen zu fliegen haben mich schon immer fasziniert". Von daher war die Hinwendung zur Atmosphärenforschung (Wetter) und zur Fernerkundung (Fliegen) vorgeprägt.
Hinter dem Interesse für Pflanzen stand aber auch immer die Frage, welche Wechselwirkungen mit der unbelebten Umwelt (hier v.a. Klima) bestehen und ob sich das auf die Biodiversität in verschiedenen Gebieten auswirkt. Im Rahmen der Klimafolgenforschung ein hoch aktuelles Themenfeld.
Derart komplexe ökosystemare Forschungsfragen können aber nur von interdisziplinären Verbundprojekten erfolgreich bearbeitet werden. So werden in der FOR816 von meiner Gruppe einerseits sektorale Fragestellungen zur Wolken- und Niederschlagsdynamik bearbeiten. Auf der anderen Seite wurde/wird mit den Pflanzenwissenschaftlern spannenden Frage nachgegangen, wie phänologische Phasen mit Klimazyklen gekoppelt sind oder wie viel Nebelwasser durch die Vegetation ausgekämmt werden kann. Besonders motivierend ist die aktuelle Zusammenarbeit im gemeinsamen Projekt des Sprecherteams, bei der u.a. untersucht wird, ob die Konkurrenz um Solarstrahlung die Verbreitung des Adlerfarns auf den Weiden unseres Bergwaldökosystems und damit die Degradierung der Weideareale vorantreibt.
Wichtige erscheint mir darüber hinaus, am Punkt gemessene Daten mit Fernerkundungssystemen und Simulationsmodellen auf größere Gebiet zu übertragen. Die Überwindung dieses Skalensprungs und die Abbildung ausgewählter Ökosystem-Prozesse mit Simulationsmodellen ist aus meiner Sicht entscheidend, Prognosewerkzeuge (sogenannte Decisions Support Systems) zur Entwicklung nachhaltiger Nutzungssysteme für das Rio San Francisco Tal auf streng wissenschaftlicher Basis bereitzustellen.
Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin Beck
Der Mensch...Erwin Beck ist Pflanzenwissenschaftler, Jahrgang 1937 und seit dem Jahr 2007 Professor emeritus. Er promovierte 1963 mit einer pflanzensystematischen Arbeit, wechselte danach aber in die Pflanzenphysiologie. 1968 habilitierte er sich an der TU München für das Lehrgebiet "Botanik" und folgte 1 Jahr später dem Ruf auf eine C2-Professur an die Ludwigs-Maximilians-Universität München. Über die Photosyntheseforschung kam er mehr und mehr zur Ökophysiologie der Pflanzen, einem Gebiet, das ihn auch heute noch fasziniert. 1975 nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie an der neu gegründeten Universität Bayreuth an, wo er auch noch nach seiner Emeritierung arbeitet. Bekannt wurde er hauptsächlich durch seine Arbeiten zur Ökophysiologie der tropischen Hochgebirgspflanzen. In dem von ihm 1978 gegründeten Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth wurde auf der Basis dieser Forschungen das weltweit einzige Gewächshaus für diese urtümliche Vegetation gebaut. Seit den späten 90er Jahren widmet er sich verstärkt den tropischen Bergwäldern und der Frage ihrer Regeneration auf den nach Brandrodung meist nur kurzfristig nutzbaren landwirtschaftlichen Flächen. Stecklingsvermehrung der einheimischen Bäume zur Anlage von Baumschulen und die Bekämpfung der die Wirtschaftsflächen überwuchernden Unkräuter sind seine aktuellen Ziele im Rahmen der Forschergruppe. Schon immer haben ihn die Unkräuter mit ihrer unbändigen Wuchskraft fasziniert, und so kam er von der Brennnessel zur Ackerdistel und nun zum (tropischen) Adlerfarn, dem weltweit bedeutendsten Unkraut in Wald und Weide, dessen endgültige Bekämpfung bis heute noch nicht gelungen ist. Obwohl in seinem Versuchsarsenal auch die "chemische Keule" nicht fehlt, setzen er und seine Mitarbeiter doch mehr auf biologische Methoden. Erwin Beck forscht seit 1975 im tropischen Afrika und seit 1997 im tropischen Südamerika. Fünf Jahre lang war er Sprecher der DFG-Forschergruppe 402, dem Vorläuferprojekt der jetzigen FOR816.
Über seine wissenschaftlichen Arbeiten hinaus hat sich Beck in der Community der Pflanzenwissenschaftler stark engagiert, u.a. war er 8 Jahre lang Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft. Zusammen mit seinen Kollegen ED Schulze und Klaus Müller-Hohenstein hat er ein auch ins Englische übersetztes Lehrbuch "Plant Ecology" geschrieben. Er gehört einem fünfköpfigen Herausgeberkollegium an, das die Ergebnisse der ersten 10 Jahre Ökosystem- und Biodiversitätsforschung in der Reserva Biológica San Francisco im Band 198 der Springer-Reihe Ecological Studies zusammengefasst hat.
Erwin Beck erhielt mehrere Auszeichnungen, u.a. ist er Honorarprofessor der Partneruniversität der FOR816 in Loja.
Ideen…
Trotz seines Wechsels durch verschiedene Disziplinen der Pflanzenwissenschaften hat sich Erwin Beck die Liebe zur organismischen Biologie bewahrt. Als Verfechter der integrativen Biologie (heute als Systembiologie bekannt), versucht er, die von ihm untersuchten Phänomene und Organismen nicht nur unter kontrollierten Laborbedingungen zu betrachten, sondern ihr "Verhalten" auch in der Natur zu verstehen. Solche Studien lassen sich aber nur interdisziplinär durchführen. Die Arbeiten in der FOR816 sind ein Paradebeispiel dafür. Hier kooperiert das Sprechertandem in einem gemeinsamen Projekt, in dem die Konkurrenz des Unkrauts Adlerfarn mit den Weidegräsern in einem auf Messdaten gegründeten mathematischen Modell dargestellt werden soll. Letztlich will man damit zu Vorhersagen über den Verunkrautungsprozess im Zusammenhang mit den ortsüblichen "Pflegemassnahmen" wie z.B. dem regelmäßigen Abfackeln der Weiden, kommen. Die Arbeiten in den Tropen haben ihn schon frühzeitig zum Thema Biodiversität und zurück zu seinen Wurzeln in der Pflanzensystematik geführt.
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