Die Supersaurier
Das Projekt "Biology of the Sauropod Dinosaurs: The Evolution of Gigantism"
140 Millionen Jahre lang stapften die Sauropoden über alle Kontinente der Erde. Manche Saurier waren größer als die Naturgesetze erlauben. Die sauropoden Dinosaurier übertrafen an Größe und Gewicht alle anderen Landlebewesen, die jemals die Erde bevölkerten - und zwar mit Abstand. Die gewaltigsten von ihnen brachten mit 100 Tonnen soviel Masse auf die Waage wie zehn ausgewachsene Elefanten oder 1.400 Durchschnittsdeutsche. Schon kurz nachdem sie vor rund 210 Millionen Jahren im späten Trias auftauchten, erreichten sie diese enormen Ausmaße. Der Gigantismus hat sich erdgeschichtlich gesehen in kurzer Zeit von nur zwei bis zehn Millionen Jahren entwickelt. Wie konnten diese Tiere zehnmal größer werden als alle anderen Landlebewesen? Warum gibt es heute keine 100 Tonnen schweren Elefanten? Der Größenwahn der Dinosaurier lässt sich nur verstehen, wenn es gelingt, ihre Biologie, also ihre Lebensvorgänge wie Atmung, Wachstum, Entwicklung und Fortpflanzung nachzuvollziehen.
Die bunt gemischte Forschergruppe mit Physikern, Zoologen, Physiologen, Materialwissenschaftlern, Chemikern und natürlich Paläontologen (Paläontologie ist die Wissenschaft von den fossilen, das heißt versteinerten Tier- und Pflanzenresten) von insgesamt acht Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Gigantismus der Dinosaurier zu erforschen:
- Welche Nahrung in Verbindung mit welcher Verdauungsstrategie liefert ihnen die nötige Energie?
- Wie hat die Atmung funktioniert, um eine ausreichende Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten?
- Welcher Knochenaufbau hat sie davor bewahrt, unter der eigenen Masse einzuknicken?
Die Beantwortung dieser Fragen ist mühsame Detektivarbeit. Außer den ausgegrabenen Knochen gibt es Fußspuren, Eier, Nester und vereinzelt sogar versteinertes Weichgewebe. Mit diesem Wissen lassen sich am Computer Modelle erstellen, die den Bewegungsablauf und die Körperhaltung der Riesen darstellen.
Waren die Sauropoden Leichtbaukonstruktionen, die wie die Vögel ihr Gewicht reduzierten, indem sie Luftsäcke in ihre riesigen Knochen einlagerten? Die Verwandtschaft mit den Vögeln und eine Vogellunge könnten auch erklären, wie die riesigen Saurier an genügend Sauerstoff für ihren gewaltigen Körper gelangten. Und solche leichten Halsknochen könnten auch die Erklärung liefern, wie die Dinos ihre langen Schlangenhälse überhaupt bewegen konnten um an die Nahrung zu gelangen, die für sie optimal war: Die Blätter von Araucarien waren das Nahrhafteste, was die Pflanzenwelt damals zu bieten hatte. Wie bei einem Puzzle fügen sich die einzelnen Wissensbausteine zusammen, um das Ganze zu verstehen. Vielleicht kann das Projekt am Ende auch die Frage beantworten, warum der Gigantismus im Tierreich eine Sackgasse war und die Ära der Riesen-Dinos vor 65 Millionen Jahren plötzlich zu Ende ging?
Kamera: Anja Meyer
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