Sinkende Küsten

Das Forschungsprojekt "Sinking Coasts" - SINCOS Die Ostsee und ihre Küstenlandschaft sahen nicht immer so aus wie heute. Die südliche Ostseeküste sinkt immer weiter ab und der Meeresspiegel steigt unaufhaltsam an. Wo heute die Wellen rauschen, konnten vor 10.000 Jahren die Jäger und Sammler der Steinzeit dagegen noch zu Fuß nach Skandinavien gelangen.
  • Aber seit wann und warum stieg und steigt der Meeresspiegel?
  • Wie entstand die Ostsee?
  • Sind Klimaveränderungen die Ursache dafür?
  • Und wie reagierten die Menschen auf diese radikalen Veränderungen in ihrem Lebensraum?
  • Können wir heute aus dem Geschehen in der Vergangenheit für die Zukunft lernen?

Diese und andere Fragen stellen sich die Wissenschaftler in dem Forschungsprojekt SINCOS (sinking coasts).

Geowissenschaftler, Biologen, Zoologen, Klimatologen und Archäologen studieren gemeinsam das Absinken der Ostseeküste, um diesen Fragen auf den Grund zugehen. Sie rekonstruieren, was in den vergangenen Jahrtausenden geschah und erforschen, wie sich das Klima über tausende von Jahren veränderte und die Küste im Meer versank.

Die Wissenschaftler untersuchen die Ostsee-Sedimente, die sich im Laufe der Jahrtausende auf dem Meeresboden abgelagert haben. Archäologen werden zu Forschungstauchern und suchen auf dem Meeresgrund nach Spuren von Siedlungen in denen Menschen in der Steinzeit als Fischer und Jäger lebten. Die Geologen liefern den Archäologen dabei wichtige Hinweise, wo sich zu welcher Zeit das Ufer befand. Die Taucher entdecken versunkene Landschaften mit den Resten von Jahrtausende alten Wäldern und die am Meeresboden liegenden Baumstämme sind wahre Geschichtenerzähler. Die Jahresringe der Bäume aus Jahren mit guten Wachstumsbedingungen sind breiter als solche aus Jahren mit schlechten Lebensbedingungen und Dendrochronologen können durch das Vermessen der Jahrringe die Bäume einer bestimmten Zeit zuordnen, was wiederum Rückschlüsse auf damalige Klimabedingungen zulässt.

Mit modernen Methoden können die heutige Erdoberfläche und der Meeresspiegel millimetergenau vermessen werden und zusätzlich liegen Daten der Wetteraufzeichnungen der vergangenen Jahrzehnte vor. Wenn sie all diese Daten kombinieren, können die Wissenschaftler Modelle entwickeln, die nicht nur Informationen liefern, wie sich die Küstenlandschaft in der Vergangenheit entwickelt hat, sondern es können auch Vorhersagen für die Zukunft getroffen werden. Und dass diese Langzeitprognosen dringend benötigt werden, steht außer Frage, denn weltweit leben 20 Prozent der Menschheit weniger als 25 Kilometer von der Küste entfernt und sind daher von diesen Veränderungen direkt betroffen.

Kamera:
Stefanie Klooß (über Wasser)
Andreas Grundmann (unter Wasser)
 
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Forschungsgebiete Universitäten Standorte Zeitraum der Berichterstattung