Tempelpflege

German Apsara Conservation Project


Mit sinnlichem Mund und geheimnisvollem Lächeln, mit unergründlichem Blick, mit wertvollem Gewand und kunstvoll aufgetürmten Frisuren verzaubern die bewegungslosen Apsaras die Besucher. Dabei sieht jede der kambodschanischen Tempeltänzerinnen ein bisschen anders aus. 1850 Apsaras, halb menschliche, halb göttliche Wesen, zieren die Wände von Angkor Wat, einer der größten Tempelanlagen der Welt. Der heilige Tempel des Khmer-Reiches aus dem 12. Jahrhundert ist über und über mit steinernen Reliefs und Statuen verziert. Die Hochkultur der Khmer zeigte im sandsteinernen Sakralbau ihre technischen Fähigkeiten und ihre künstlerische Perfektion. Der König, der die Tempelanlage in 37jähriger Bauzeit bauen ließ, war Surayavarman II. Seine Regierungszeit dauerte von 1113 bis 1150.

Doch dieses imposante und weltweit einzigartige Weltkulturerbe ist bedroht. Die natürliche Verwitterung, der Kot der Fledermauskolonien und die zunehmende Umweltverschmutzung machen den einmaligen Kunstwerken zu schaffen. Die kunstvollen Reliefs, Steinfiguren und Wandbilder lösen sich auf, Gesichtszüge, Frisuren, Schmuck und Kleider vieler Tempeltänzerinnen sind kaum noch zu erkennen.

1997 begann das Team vom Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Fachhochschule Köln seine Arbeit und startete das German Apsara Conservation Project (GACP). Die Dimensionen von Angkor Wat ließen das Unternehmen schier hoffnungslos erscheinen: etwa 1850 Darstellungen himmlischer Apsaras, 350 Giebelfelder mit Reliefschmuck und 1450 Quadratmeter Bas-Reliefs in den bis zu 100 Meter langen Galerien unterliegen dem Zahn der Zeit. Dazu kommen noch 100 weitere Tempel und Reliefs in der Nachbarschaft auf einem Areal von 400 Quadratkilometern.
Die besondere Bautechnik der Khmer macht die Restaurierungsarbeiten besonders schwierig. Sie haben nicht einfach Steinblöcke mit Mörtel aufeinandergesetzt, sondern die Steine so präzise geschliffen, dass sie fast fugenlos aufeinander sitzen. Ein Austausch beschädigter Steinblöcke, wie beispielsweise beim Kölner Dom üblich, ist nicht möglich. Ein weiteres Problem, das die Wissenschaftler und Restauratoren lösen müssen, ist, dass die Zerstörung nicht an der Oberfläche, sondern im Innern der Figuren stattfindet.

Besondere Konservierungsmaterialien für den Tempel und seine Gesteine mussten entwickelt werden. Konservierung und Pflege erfolgen seitdem auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse. Alles wird sorgfältig dokumentiert und in Datenbanken gespeichert. Aber auch Ausbildung und Lehre haben einen hohen Stellenwert. Ausgebildet werden kambodschanische Restauratoren für die Konservierungsarbeiten, Planungsfachleute und Computerspezialisten für die Dokumentationen. Sie müssen das Vorhaben eines Tages weiterführen können, wenn das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland die Arbeiten nicht mehr finanziert.

Zahlreiche Apsaras und Giebelreliefs konnten bereits restauriert werden und mit ihnen kam auch die Khmer-Bevölkerung in die Tempelanlagen zurück. Zahlreiche Statuen sind geschmückt, kleine Opfergaben werden dargebracht und Räucherstäbchen werden angezündet. Der Grund dafür, dass die Menschen in Angkor die "erneuerten" Figuren annehmen, sind nicht nur die modernen Restaurationsmethoden aus Deutschland, eine wichtige Vorraussetzung für die Akzeptanz der Arbeiten ist auch die große Sensibilität der Wissenschaftler gegenüber den Menschen und ihrer Kultur.

Das Projekt wird durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Die Fachhochschule Köln, private Sponsoren, die Vereine "Freunde des Angkor Konservierungs-Teams“ (FAKT e.V.) und "Friends of Khmer Culture" (FOKCI) sowie die beteiligten Wissenschaftler unterstützen das Projekt.

Kamera: Prof. Dr. Hans Leisen, Susanne RunkelKamera
Folgen  4 und 5: Annika Gehrke, Julia Zeller und Christian Ruhnau, unter Betreuung von Dipl. Medienpäd. Stefan Terlinden
 
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Forschungsgebiete Universitäten Standorte Zeitraum der Berichterstattung